Radfahren in Apulien ist leichter, als die Karte vermuten lässt: Die Region ist fast überall flach, echte Steigungen gibt es nur auf dem Gargano und in der Murgia. Die eigentliche Schwierigkeit ist nicht der Höhenunterschied, sondern die Hitze. Der regionale Plan sieht 16 Radrouten mit rund 2.300 km vor, doch was man heute tatsächlich fahren kann, ist etwas anderes: Der Aquädukt-Radweg bietet inzwischen über zweihundert Kilometer Schotterstraße, das Salento hat noch keinen eigenen durchgehenden Radweg. Auf dieser Seite: was es wirklich gibt, wo es sich in welcher Gegend lohnt, wann Sie kommen sollten und wie das Rad in den Zug kommt – denn in Apulien fährt es in den Regionalzügen kostenlos mit.

Warum Apulien sich besser zum Radfahren eignet, als es scheint

Wer auf eine Karte von Apulien schaut, sieht eine Region von vierhundert Kilometern Länge und rechnet mit einer anstrengenden Reise. Das Gegenteil ist der Fall: Apulien ist die flachste Region Süditaliens, und für Radfahrer ist genau das die gute Nachricht. Ernsthafte Anstiege gibt es nur auf dem Gargano, einem gebirgigen Vorgebirge über dem Meer, und in der Murgia, die sanft ins Landesinnere ansteigt. Alles andere – die Tavoliere-Ebene, die Adriaküste, die messapische Ebene, das Salento – ist Gelände für Tourenräder, auch mit Kindern machbar.

Ein Fahrrad in der herbstlichen Landschaft Apuliens

Das Problem ist hier nicht die Steigung, sondern die Sonne. Von Juni bis September liegen die Temperaturen im Landesinneren regelmäßig über fünfunddreißig Grad, und Schatten ist selten: Olivenhaine spenden keinen, Trockenmauern auch nicht. Deshalb ist die gute Saison für Radreisen in Apulien nicht der Sommer, sondern Frühling und Herbst – also genau die Monate, in denen Unterkünfte günstiger und die Straßen leer sind.

16Radrouten im regionalen Plan
2.300km geplantes Netz
200+km befahrbar auf dem Aquädukt-Radweg
0 €kostet das Rad im Regionalzug

Was es wirklich gibt – und was noch Planung ist

Diese Unterscheidung lohnt sich gleich zu Beginn, denn im Netz wird beides ständig vermischt, und wer anreist, sucht womöglich Radwege, die es nicht gibt. Die Region Apulien hat ihren regionalen Plan für die Radmobilität mit dem Beschluss Nr. 177 vom 18. Februar 2020 verabschiedet: Er sieht sechzehn Radrouten einschließlich Varianten vor, ein Netz von rund 2.300 Kilometern, verknüpft mit dem europäischen EuroVelo-Netz und dem italienischen Netz Bicitalia.

Dieser Plan ist eine Landkarte der Absichten, nicht des Asphalts. Wirklich ausgebaute, durchgehende Radwege gibt es heute nur wenige; der Rest des Netzes verläuft über bestehende, verkehrsarme Straßen – kleine Provinzstraßen, Feldwege, alte Viehtriebwege. Was bei der Beschaffenheit Apuliens oft besser ist als ein Radweg: schnurgerade Straßen zwischen Olivenhainen, auf denen am Tag drei Traktoren vorbeikommen.

Ein offizielles, ausgeschildertes Angebot gibt es allerdings: die Ciclonica – Ciclovia del Salento Ionico, eine 304 Kilometer lange Runde, die in Lecce beginnt und die gesamte ionische Seite umrundet. Sie entstand aus dem Projekt Green Community Ionico-Adriatica mit Mitteln des PNRR, federführend war die Gemeinde Nardò. Es gibt eine App, einen gedruckten Führer und einen Stempelpass; mehr dazu auf der Seite Das Salento mit dem Rad.

Ein Vergleich hilft bei der Einordnung. Wer an eine durchgehend asphaltierte und beschilderte Route wie den Donauradweg oder die Loire denkt, findet so etwas in Apulien noch nicht. Der Aquädukt-Radweg, der dem am nächsten kommt, ist eine Schotterstraße: fest verdichteter Splitt, gut zu fahren, aber eher etwas für ein Gravelbike oder ein Tourenrad mit breiten Reifen. Wer das vor der Buchung weiß, erspart sich die einzige echte Enttäuschung, die hier droht.

Die zwei Achsen, die die Region zusammenhalten. Im Landesinneren verläuft der Aquädukt-Radweg (im italienischen Netz Bicitalia 11) auf der Betriebsstraße des Hauptkanals der apulischen Wasserleitung: Er ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt und das einzige mit eigenem Untergrund. Am Meer entlang führt der Adria-Radweg (Bicitalia 6) von Triest bis Santa Maria di Leuca durch sieben Regionen: 1.700 Kilometer, rund drei Wochen Fahrt. In Apulien ist er in vier offizielle Abschnitte gegliedert und damit die einzige große Route der Region, die bereits vollständig eingeteilt und als Track verfügbar ist.

Der Adria-Radweg, die ganze Küste entlang

Die zweite große Route der Region folgt der Küste: Der Adria-Radweg kommt nach 1.700 Kilometern und sieben Regionen aus Triest und ist in Apulien in vier offizielle Abschnitte gegliedert, insgesamt 558 bis 621 Kilometer – je nachdem, ob Sie den Gargano umrunden oder durch den Tavoliere abkürzen. Diese Entscheidung kostet 63 Kilometer und 1.469 Höhenmeter; die beiden Profile im Vergleich finden Sie auf der Seite Der Adria-Radweg in Apulien.

Der Ofanto-Radweg, der einzige, der bergab führt

Er verdient einen eigenen Abschnitt, weil er anders ist als alles andere. Der Radweg durch das Ofanto-Tal folgt dem einzigen echten Fluss Apuliens vom Hinterland bis ans Meer: Laut Track sind es 95,8 Kilometer von Rocchetta Sant’Antonio in der Provinz Foggia, an der Grenze zum Irpinia-Gebiet, bis nach Barletta.

Das Besondere steckt im Profil: +332 Meter Anstieg gegenüber 952 Metern Abfahrt, denn der Start liegt auf 662 Metern und das Ziel auf Meereshöhe. Es ist die einzige lange Route der Region, die man überwiegend bergab fährt, und das ändert, wer sie fahren kann: Sechsundneunzig Kilometer mit diesem Profil schafft jeder, der einen Tag Zeit hat und ein Rad, das Schotter verträgt.

Er deckt außerdem das einzige Stück Apulien ab, das die übrigen Seiten dieses Bereichs nicht berühren: den Norden zwischen der Capitanata und dem Ofanto-Tal.

Ofanto-Radweg, von Rocchetta Sant’Antonio nach Barletta-2000200400600800Meter0 km16 km32 km48 km64 km80 km96 km

Das Profil des Ofanto-Radwegs: Start auf 662 Metern, Ziel am Meer. Die abfallende Linie ist der Grund, warum diese Route fast für jeden machbar ist.

Die Gegenden – und was sie unterscheidet

Apulien fährt sich nicht überall gleich. Wir haben diesen Bereich in vier Seiten nach Landschaften aufgeteilt, dazu eine fünfte für den Adria-Radweg, weil die Fragen von Reisenden in jeder Gegend andere sind.

  • Der Aquädukt-Radweg – die Greenway, die die Region von Nord nach Süd entlang des Wasserkanals durchquert: wo sie beginnt, wie viele Kilometer offen sind, wie der Untergrund ist, und die neun Etappen mit ihren Höhenmetern.
  • Das Salento mit dem Rad – die Ciclonica mit 304 Kilometern, die klassische Runde von 210 Kilometern, die Küstenstraße zwischen Otranto und Leuca, die Grecìa Salentina und ihre Dörfer.
  • Der Gargano mit dem Rad – die zwölf offiziellen Abschnitte des Nationalparks, die Foresta Umbra und die Abfahrten zum Meer. Die einzige Gegend, in der Sie Kraft in den Beinen brauchen.
  • Valle d’Itria und Murgia mit dem Rad – Trulli, Trockenmauern und der Radweg der Alta Murgia, der in Castel del Monte endet.
  • Der Adria-Radweg in Apulien – die vier offiziellen Abschnitte am Meer, mit den echten Kilometern und der Entscheidung am Gargano.

Das Rad im Zug: In Apulien fährt es kostenlos mit

Das ist die nützlichste praktische Information dieser Seite, und kaum jemand kennt sie. In Italien kostet die Mitnahme eines nicht zerlegten Fahrrads im Regionalzug normalerweise einen Zuschlag; in Apulien nicht. Trenitalia schreibt es auf seiner Regionalseite: In Apulien ist der Fahrradtransport in den Regionalzügen, die mit dem entsprechenden Piktogramm gekennzeichnet sind, kostenlos.

Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen der Region Apulien, der regionalen Mobilitätsagentur AREM und den fünf Bahngesellschaften, die den Verkehr betreiben: Trenitalia, Ferrovie Sud Est, Ferrovie del Gargano, Ferrovie Appulo Lucane und Ferrotramviaria. In der Praxis melden Sie sich vor dem Einsteigen beim Zugpersonal, und der Zugführer stellt einen Zuschlag zum Preis von null Euro aus.

Zwei Hinweise, die über einen gelungenen Tag oder einen verlorenen entscheiden. Erstens: Die kostenlose Mitnahme gilt nur in Zügen mit dem Fahrradpiktogramm, nicht in allen Regionalzügen – schauen Sie vorher in den Fahrplan. Zweitens: Es gibt nur wenige Radstellplätze, und an Frühlingswochenenden sind sie schnell belegt. Wer ein Faltrad hat, hat es überall leichter, denn zusammengeklappt reist es als Gepäck.

Das verändert die Planung: Sie fliegen nach Bari oder Brindisi, nehmen das Rad mit in den Regionalzug, fahren eine Etappe und kehren abends zurück. Das alles betrifft Fahrten innerhalb der Region. Wie Sie mit dem Rad überhaupt nach Apulien kommen, steht auf der Seite Apulien mit dem Fahrrad; die Bahnverbindungen allgemein finden Sie unter Mit dem Zug nach Apulien.

Wann Sie kommen sollten

Die beiden guten Zeitfenster sind April bis Mai und September bis Oktober. Im April ist das Land grün, was in Apulien nicht lange anhält, und Sie fahren bei zwanzig Grad; im Mai blüht alles, und das Meer wird allmählich badetauglich. Im September lässt die Hitze etwa zur Monatsmitte nach, das Wasser ist noch sommerwarm, und die Küstenstraßen leeren sich nach Ferragosto schlagartig. Der Oktober ist der Monat der Olivenernte: Sie radeln an arbeitenden Ölmühlen vorbei, und das allein lohnt die Reise.

März und November sind möglich und menschenleer, aber der Tramontana-Wind an der Adria ist in diesen Monaten ein ernstzunehmender Faktor, und im November ist es um fünf Uhr dunkel. Juli und August gehen nur, wenn Sie im Morgengrauen starten und um elf Uhr aufhören: Es sind die Monate, in denen Apulien am schönsten und am wenigsten radtauglich ist.

Was in die Trikottasche gehört. Die zwei Dinge, die apulische Radfahrer seit jeher dabeihaben, sind Taralli und Friselle: Sie zerbröseln nicht in der Rückentasche, schmelzen nicht in der Sonne und überstehen Stunden in der Hitze, ohne ungenießbar zu werden. Es ist Essen, das für die Feldarbeit erfunden wurde, und auf dem Rad funktioniert es aus denselben Gründen.

Was dieser Bereich nicht verspricht

Das apulische Radnetz ist im Bau, und im Bau heißt: Manche angekündigten Abschnitte sind noch nicht offen, manche offenen sind unterbrochen. Auf diesen Seiten finden Sie die Kilometer, die jemand angegeben hat, und das Datum, an dem er sie angegeben hat, getrennt von denen, die nachweislich gefahren wurden. Wo wir keine verlässliche Quelle gefunden haben, steht keine Zahl: Lieber eine Seite mit weniger Zahlen als eine, die jemanden einen Radweg suchen lässt, den es nicht gibt.

Bei den Höhenmetern haben wir eine eigene Entscheidung getroffen, weil keine Behörde sie veröffentlicht. Wo es einen verlässlichen GPS-Track gibt, haben wir ihn ausgemessen, und die Zahl steht mit Quellenangabe auf der Seite: So ist es bei der Runde auf dem Gargano, bei den neun Etappen des Aquädukt-Radwegs und bei der Etappe zwischen Otranto und Leuca. Ein Track ist kein amtlicher Wert – er misst, was eine Person an einem Tag gefahren ist –, aber auf die Frage, wie anstrengend es wird, ist er die einzige Antwort, die es gibt.

Vor einer langen Tour lohnt es sich trotzdem, den Zustand der Abschnitte zu prüfen: Die Baustellen am Aquädukt-Radweg haben sich in den letzten zwei Jahren stark verändert und werden es weiter tun.

Wer Apulien lieber zu Fuß kennenlernen möchte, findet die Pilgerwege und Wanderrouten der Region im Bereich Apulien zu Fuß.