Kurz gesagt. Apulische Süßspeisen sind aus den Festen entstanden, nicht aus dem Alltag: Cartellate im Feigensirup zu Weihnachten, die Scarcella zu Ostern, Zeppole am 19. März, und im Salento das ganze Jahr über der Pasticciotto. Wenige, einfache Zutaten, mit viel Geduld verarbeitet.

Früher wurde nicht jeden Tag reich gedeckt. Süßes gab es zu besonderen Anlässen, familiären oder kirchlichen – und fast jedes apulische Gebäck gehört bis heute zu einem bestimmten Datum im Kalender.

Cartellate im Feigensirup, das apulische Weihnachtsgebäck

Wenige Zutaten, von der Familie weitergegeben

Die apulische Küche lebt von dem, was das Land hergibt: Gemüse, Hartweizengrieß, Hülsenfrüchte. Die Süßspeisen folgen derselben Logik. Mandeln, Honig, Vincotto – der dunkle, eingekochte Sirup aus Feigen oder Traubenmost – und in Öl ausgebackener Teig bilden die Grundlage. Die Rezepte wandern von Familie zu Familie, und jede Provinz hat ihre eigenen Varianten und Dialektnamen.

Der Festkalender

Nur an Festtagen kamen Fleisch, Eier und vor allem Süßes auf den Tisch. So verteilen sich die Rezepte über das Jahr:

  • Weihnachten – Cartellate, Purceddhruzzi, Mostaccioli, Calzoncelli, Sasanelli, Pettole (pittule), Bocconotti und die ricci di mandorle
  • 13. Dezember – die Augen der heiligen Lucia, zum Fest der Heiligen
  • Karneval – Chiacchiere
  • 19. März – Zeppole zum Fest des heiligen Josef
  • Ostern – die Scarcella, Puddhricasciu, Cuddhura cu l’ovu und Pastatelle
  • Ferragosto und Sommer – der Fruttone und der Pasticciotto aus Lecce
  • Allerheiligen und Allerseelen – das Totengetreide (colva) und die Fanfullicchie

Was es sonst noch gibt

Neben diesen Klassikern hat fast jede Stadt ihr eigenes Gebäck: den Sasanello aus Gravina, die sospiri aus Trani, die Kekse aus Ceglie, die Sfogliatelle aus Canosa, die Sennacchiudere aus der Gegend von Taranto. Die Cupeta – Mandeln, Sesam, Honig und Zucker – ist die apulische Antwort auf den venezianischen Mandorlato. Und der Bocconotto wird je nach Provinz ganz unterschiedlich gemacht.

Frühstück im Salento. Wer im Salento ist, frühstückt in der Bar: Pasticciotto und Espresso. Der Pasticciotto ist Mürbeteig mit Konditorcreme, in Aluminiumförmchen gebacken. Im Sommer trinkt man den Kaffee mit Eis und Mandelmilch – ein kleiner lokaler Handgriff, der ihn völlig verändert.

Kurze Übersicht für Ihre Reise. Die Cartellate werden in Feigensirup oder Honig getaucht. Die Scarcella ist ein Ostergebäck in Form einer Taube oder eines Körbchens, mit bunten Zuckerperlen und hartgekochten Eiern. Und in Galatina gibt es den Africano.

Die Rezepte

Jedes Gebäck erzählt die Geschichte eines Ortes und eines Festes. Die Rezepte im Einzelnen:

Augen der heiligen Lucia

Kleine Tarallini aus Mehl, Weißwein und Olivenöl, glasiert und zum Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember gebacken.

Bocconotti

Kleine Törtchen aus Mürbeteig mit Mandelfüllung, aus dem Hinterland der Murgia. Abruzzen und Kalabrien beanspruchen sie ebenfalls.
Cartellate

Cartellate

Das Weihnachtsgebäck Apuliens: dünne Teigröschen aus Mehl, Weißwein und Olivenöl, frittiert oder gebacken und in Feigensirup oder Honig getaucht.
Castagnelle

Castagnelle

Knusprige Mandelkekse für die Weihnachtszeit, mit Nelke, Zitronenschale und Zimt gewürzt und nach dem Backen in Kakao mit Zucker gewendet.
Gileppo: der apulische Zuckerguss

Gileppo: der apulische Zuckerguss

Gileppo ist der apulische Zuckerguss: gekochter Zuckersirup mit Eiweiß und Zitrone, das Weiß auf Scarcelle und Tarallucci.
Mandelgebäck

Mandelgebäck

Nicht nur Sizilien: Apulien hat mit den Mandeln aus Ceglie Messapica und Toritto zwei eigene Sorten. Dazu das einfachste Rezept aus Mandelmasse.

Mürbeteig

Mürbeteig auf apulische Art: mit Olivenöl, Weißwein und kochendem Wasser statt Butter und Eiern.
Pastatelle

Pastatelle

Halbmonde aus Mürbeteig, gefüllt mit Kirsch- oder Traubenmarmelade und Walnüssen: ein apulisches Ostergebäck, besonders aus Conversano.
Scarcella, das Ostergebäck

Scarcella, das Ostergebäck

Das Ostergebäck aus Foggia und Umgebung, als Taube, Körbchen oder Kranz geformt, glasiert und mit einem hartgekochten Ei.
Vincotto: Feigensirup

Vincotto: Feigensirup

Vincotto, der apulische Sirup: aus Traubenmost oder, wie hier, aus reifen Feigen und Wasser, stundenlang eingekocht. Grundlage der Cartellate.
Zeppole di San Giuseppe

Zeppole di San Giuseppe

Brandteig-Kringel zum Fest des heiligen Josef am 19. März, frittiert oder gebacken, mit Konditorcreme und Amarenakirschen.

Die ganze Sammlung: Apulische Rezepte.