Kurz gesagt. Die apulischen Hauptgerichte teilen sich zwischen Meer und Land: auf der einen Seite Sardellen, Makrelen, Miesmuscheln, Tintenfische und Oktopus, auf der anderen Pferdefleisch, Lamm und Hammel. Dazu kommen Gerichte, die fast aus dem Nichts entstehen – wie Brotklößchen in Tomatensauce.

In Apulien erzählt das Hauptgericht die Geografie der Region besser als jede Landkarte. Achthundert Kilometer Küste auf der einen Seite, auf der anderen das Hinterland der Weiden und der Transhumanz: zwei verschiedene Vorratskammern, zwei Arten zu kochen, und ein Tisch, der beide zusammenhält, ohne sich für eine zu entscheiden.

Apulische Brotklößchen aus altbackenem Brot und Pecorino

Vom Meer

Die apulische Meeresküche arbeitet fast immer mit einfachen, ganz frischen Zutaten: Sardellen, Makrelen, Miesmuscheln, Sepien, Oktopus. Es ist keine Küche der edlen Stücke, sondern eine Küche des Tagesfangs, mit wenigen Handgriffen und viel Geduld.

  • Die Scapece aus Gallipoli – frittierter Fisch, mit Brotbröseln, Essig und Safran haltbar gemacht: das Straßengericht, das den Salento am stärksten ausmacht
  • Geschmorter Oktopus – langsam gegart, damit er zart wird, ohne seinen Geschmack zu verlieren
  • Gefüllte Tintenfische – ein Festtagsgericht, das an der ganzen Küste wiederkehrt
  • Gratinierte Seezunge – der apulische Gratin: Semmelbrösel und kaum mehr

Die Miesmuscheln ziehen sich in Apulien durch das ganze Essen: Sie eröffnen es als Vorspeise, stecken im ersten Gang und kommen als Hauptgericht wieder, frittiert oder gratiniert. Wo man sie einordnet, ist eher Gewohnheit als Sache.

Vom Land

Im Landesinneren ändert sich alles. Fleisch war hier nie reichlich vorhanden, und die Rezepte zeigen es: Stücke, die lange garen müssen, und Schmorgerichte in der Pignata, dem Topf aus Terrakotta, die stundenlang auf dem Feuer stehen.

Pferdefleisch ist die Handschrift Apuliens am Tisch, und es überrascht Besucher am meisten. Es ist keine Kuriosität, sondern eine verbreitete Tradition, mit eigenen Metzgereien, eigenen Zuschnitten und eigenen Gerichten.

  • Lamm mit Kartoffeln – das Gericht der Sonn- und Feiertage
  • Fleischbällchen in Tomatensauce – in Apulien ein Hauptgericht, und die Sauce, in der sie gegart haben, würzt davor die Pasta
  • Hammel von der Glut – das Fleisch der Transhumanz, so direkt zubereitet wie möglich

Auf der Hochebene der Murgia gehört auch der Cardoncello zu den Hauptgerichten: Der Pilz der Gegend wird hier nicht als Beilage behandelt, sondern als Gericht für sich.

Wie man in Apulien ein Hauptgericht isst

Wer von außen kommt, sollte eines wissen: Das Hauptgericht folgt fast immer auf einen gehaltvollen ersten Gang und kommt in maßvollen Portionen. Die Beilage ist kein Zubehör, sondern ein eigenes Gericht – Wildgemüse, Zichorie oder Lampascioni, die Zwiebeln der Schopfigen Traubenhyazinthe. Viele Trattorien servieren noch wie zu Hause: wenige Gerichte, die des Tages, und keine lange Karte.

Die Zutat macht den Unterschied. Viele dieser Rezepte verändern sich völlig mit dem Rohstoff: das native Olivenöl extra, mit dem man einen Oktopus vollendet, die Tomate der Sauce für die Fleischbällchen.

Die Rezepte

Brotklößchen

Brotklößchen

Aus altem Brot, Ei und Pecorino: die Polpette di pane Apuliens, in leichter Tomatensauce gegart.
Dorade aus dem Ofen

Dorade aus dem Ofen

Eine ganze Dorade auf Kartoffeln, mit Pecorino, Knoblauch und Petersilie im Ofen: Land und Meer in einer Form.
Fischsuppe

Fischsuppe

Zwei Kilo gemischter Fisch, Tomaten und eine halbe Stunde im zugedeckten Topf: die Fischsuppe der apulischen Küste.
Fleischbällchen in Tomatensauce

Fleischbällchen in Tomatensauce

Weiche Rinderhackbällchen mit Pecorino, 20 Minuten in frischer Tomatensauce gegart: und die Sauce kommt auf die Pasta.
Frittierte Miesmuscheln

Frittierte Miesmuscheln

Miesmuscheln aus der Schale gelöst, in Mehl und Ei gewendet und in Olivenöl frittiert: in 15 Minuten fertig.
Gefüllte Tintenfische

Gefüllte Tintenfische

Kleine Sepien, gefüllt mit altem Brot, Ei, Pecorino, Sardelle und Kapern: ein armes, gutes Gericht der apulischen Küste.
Geschmorter Oktopus

Geschmorter Oktopus

Oktopus mit Knoblauch, Weißwein und Tomaten eine Stunde geschmort, mit Röstbrot: ein Klassiker der apulischen Meeresküche.
Gratinierte Miesmuscheln

Gratinierte Miesmuscheln

Miesmuscheln auf der Halbschale mit Bröseln, Parmesan und Petersilie überbacken und mit Ei vollendet: ein Klassiker aus Taranto.
Gratinierte Seezunge

Gratinierte Seezunge

Seezunge mit Semmelbröseln und apulischem Pecorino, 15 Minuten im Ofen: der apulische Gratin in seiner einfachsten Form.
Hammel von der Glut

Hammel von der Glut

Hammelkoteletts am Spieß über einer Glut aus Nussschalen und Thymian: das Gericht des Michaelsfests in Carbonara bei Bari.
Lamm mit Kartoffeln

Lamm mit Kartoffeln

Lamm, Kartoffeln, kleine Tomaten und Rosmarin in der Terrakottaform: das Festtagsgericht der apulischen Hirtengegenden.
Makrelen in Essig

Makrelen in Essig

Makrelenfilets im Tuch gekocht, in Essig gelegt und mit Minze und Knoblauch angemacht: ein altes Fischerrezept aus Bari.
Pferdefleisch in Tomatensauce

Pferdefleisch in Tomatensauce

Pferdemuskel, Tomatensauce und Kräuter, zwei Stunden sanft gekocht in der Pignata: ein Gericht aus dem Salento.
Sardellen arraganate

Sardellen arraganate

Sardellen, schichtweise mit Semmelbröseln, Oregano, Knoblauch und Kapern im Ofen gebacken: ein Fischergericht aus Apulien.
Scapece aus Gallipoli

Scapece aus Gallipoli

Frittierte kleine Fische, in Essig und Safran eingelegt: die leuchtend gelbe Scapece der Feste von Gallipoli.

Die ganze Sammlung: Apulische Rezepte.