Im Sommer bedeutet der Gargano Strände und Meereshöhlen. Im Oktober wird er etwas anderes: Der Foresta Umbra, das grüne Herz des Vorgebirges, wechselt die Farbe, die Herbstregen tränken den Wald, und die Dörfer gehören wieder denen, die dort leben. Das sollte man wissen, bevor man jetzt hinfährt — die Wanderwege, die Buchenwälder des Welterbes, Monte Sant’Angelo mit seinen zwei UNESCO-Stätten — und warum der Herbst die Jahreszeit ist, in der man den Gargano am besten versteht.
Der Gargano ist der Sporn am italienischen Stiefel, im Norden Apuliens. Wer ihn nur im August kennt, kennt die Hälfte. Die andere Hälfte liegt im Landesinneren, ein paar Dutzend Kilometer vom Meer entfernt: ein Wald, so dicht und so hoch, dass er in Süditalien fehl am Platz wirkt. Im Herbst, wenn die Strände leer werden, lohnt es sich, dort hinaufzufahren.

Die Wurzeln einer uralten Buche im Foresta Umbra, dem Wald in der Mitte des Gargano.
Der Foresta Umbra — und warum er nichts mit Umbrien zu tun hat
Zuerst der Name, denn er täuscht: Der Foresta Umbra liegt auf dem Gargano, in Apulien, nicht in Umbrien. Woher „Umbra“ kommt, weiß niemand sicher: Manche verbinden es mit dem antiken Volk der Umbrer, andere schlicht mit dem Schatten (ombra) eines so dichten Waldes. Keine der beiden Erklärungen, schreibt die Website der italienischen UNESCO-Buchenwälder, ist wirklich belegt.
Er ist der Rest des großen antiken Waldes, der einst das ganze Vorgebirge bedeckte, des Nemus garganicum, das antike Autoren von Vergil bis Strabon erwähnen, und heute das Herz des Nationalparks Gargano. Darin liegen die Reservate Umbra und Falascone mit den ältesten Buchenwäldern und Sfilzi, wo die einzige ganzjährige Quelle des Garganer Berglands entspringt. Hier werden Buchen 350 Jahre alt und 45 Meter hoch, während sie anderswo unter ähnlichen Bedingungen 250 Jahre und 35 Meter nicht überschreiten. Diese Buchenwälder gehören mit den anderen alten Buchenwäldern Europas zum UNESCO-Welterbe.
Der Wald ist seit anderthalb Jahrhunderten öffentliches Eigentum: Nach den Grimaldi, den Bourbonen und dem jungen Königreich Italien, das ihn verkaufen wollte, wurde er für unveräußerlich erklärt und im März 1866 der Forstverwaltung übergeben.
Warum im Herbst
Das Klima des Gargano ist an der Küste und im Inneren völlig verschieden. An der Küste regnet es wenig; im Foresta Umbra fallen rund 1.200 Millimeter Regen im Jahr, und zwar vor allem zwischen Herbst und Winter. Dann ist der Wald am lebendigsten: Das Unterholz wird dicht, die Buchen verfärben sich, bevor sie ihr Laub abwerfen, und trockene Blätter bedecken die Wege.
Es gibt vierzehn Wanderwege, angelegt vom früheren staatlichen Forstkorps, heute den Forst-Carabinieri, auf alten Maultierpfaden: Holzschilder mit Gehzeiten an jedem Ausgangspunkt und jeder Kreuzung, gelbe Markierungen an den Bäumen. Zwei für den Anfang:
- Cutino d’Umbra — 500 Meter, eine halbe Stunde, eben und auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich, mit Tafeln auch in Blindenschrift. Er führt um den einzigen Teich, der im Sommer nicht austrocknet. Ganzjährig offen, kostenlos.
- Fonte Sfilzi – Casalini — 8 Kilometer, rund 300 Höhenmeter, vier Stunden: anspruchsvoll, nur für erfahrene Wanderer.
Mit dem Auto: Autobahn A14, Ausfahrt Poggio Imperiale-Lesina, dann die Schnellstraße des Gargano bis Vico del Gargano und den Schildern Foresta Umbra-Monte Sant’Angelo folgen.
Monte Sant’Angelo, die Stadt mit zwei UNESCO-Stätten
Auf der anderen Seite des Waldes liegt Monte Sant’Angelo, das etwas Einzigartiges hat: zwei Welterbestätten. Die eine ist das Heiligtum des Erzengels Michael, 2011 als Teil der seriellen Stätte „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht“ eingetragen; die andere sind die Buchenwälder des Foresta Umbra. Morgens zum Heiligtum, nachmittags in den Wald: So sieht man beide an einem Tag.
Wussten Sie schon? Der Gargano ist durch die Tavoliere-Ebene vom Apennin getrennt und damit fast eine Berginsel mitten in Apulien. Sein höchster Gipfel, der Monte Calvo, erreicht 1.065 Meter, und seine Flora zählt rund 2.300 Arten, mehr als ein Drittel der italienischen. Von Norden kommend ist er das erste vollständige Beispiel mediterraner Vegetation auf der Halbinsel.
Die Dörfer außerhalb der Saison
Im Herbst werden die Küstenorte wieder zu Dörfern. Vieste und Peschici lassen sich zu Fuß ohne das Augustgedränge erkunden. Ein praktischer Hinweis für alle, die an die Tremiti-Inseln denken: Die Schiffe ab Vieste, Rodi Garganico und Peschici fahren nur von Juni bis September; ganzjährig legt man in Termoli ab.
Der Oktober ist auch der Monat des neuen Olivenöls. In Mattinata ist am 18. Oktober die sechste Ausgabe von FèXtra zu Ende gegangen, das Fest des nativen Olivenöls extra: zehn Tage mit Ölmühlen, Verkostungen und Wanderungen.
Weiterlesen. Abseits der bekannten Wege führt Der Gargano, den Sie nicht kennen; über das Öl des Vorgebirges gibt es unsere Seite Olivenöl vom Gargano.






